• Maison Winkler-Marro gewinnt HEV-Sondersolarpreis 2019

Maison Winkler-Marro gewinnt HEV-Sondersolarpreis 2019

15.11.2019 THOMAS AMMANN, dipl. Arch. FH Ressortleiter Energie- und Bautechnik, HEV Schweiz

HEV-Schweiz-Sondersolarpreis 2019 – Dank sorgfältig integrierter Photovoltaikanlage und einer Wohnraumerweiterung kann das Doppel-Einfamilienhaus von Familie Winkler-Marro gleich doppelt effizient betrieben werden.

Das ehemalige Einfamilienhaus von Familie Winkler-Marro aus den 1960er-Jahren wurde im Jahr 2018 in ein Zweifamilienhaus umgebaut und energetisch saniert. Die bestehende Architektur blieb dabei – trotz neuer aussenliegender Wärmedämmung – weitgehend erhalten. Ergänzt wurde das Haus durch einen schnörkellosen Kubus. Dieser dient der Parterrewohnung als neues Esszimmer und der Wohnung im Obergeschoss als Terrasse.

Energiebedarf um 61 Prozent reduziert

Durch die Sanierung konnte der Energiebedarf von 57 200 kWh / a um 61 Prozent auf 22 400 kWh / a reduziert werden – dies, obschon das Haus heute von mehr Personen bewohnt wird und die Energiebezugsfläche grösser ist. Die alte Gasheizung macht etwa drei Viertel des Gesamtenergiebedarfs aus. Weil sie noch funktionstüchtig ist, wurde die Gasheizung bei der Sanierung nicht ersetzt. Ein Ersatz soll erst nach Ablauf der Lebensdauer erfolgen. Die «eingesparten» Kosten für einen Heizungsersatz konnten in die Gebäudehüllensanierung investiert werden. Gleichzeitig sind mit der Sanierung gute Voraussetzungen geschaffen worden, um die Gasheizung später durch eine Wärmepumpe zu ersetzen. Bei einem durchschnittlichen Wirkungsgrad einer Wärmepumpe von 4 könnte der aktuelle Erdgasbedarf von 16 500 kWh / a durch einen Strombedarf von 4125 kWh / a substituiert werden.

Diese Massnahme hätte auch eine starke Auswirkung auf die Eigenenergieversorgung. So liefert die vorbildlich ganzflächig in das Süddach integrierte PV-Anlage jährlich rund 11 500kWh CO2-freien Solarstrom. Damit deckt sie gut 52 Prozent des Gesamtenergiebedarfs.

Käme eine Wärmepumpe anstelle der Gasheizung zum Einsatz, würde der Gesamtenergiebedarf bei etwa 10 000 kWh / a und die Eigenenergieversorgung durch die PV-Anlage bei 115 Prozent liegen. Ein höherer Deckungsgrad liesse sich auch mit einer PV-Anlage über die gesamte Dachfläche erzielen. Davon musste jedoch aus Kostengründen abgesehen werden.

Das Einfamilienhaus vor der Erneuerung, die im Jahr 2018 stattgefunden hat. Der neu angebaute Kubus (rechts) schuf für die obere Wohnung eine Terrasse und für die untere ein grosszügiges Esszimmer.

Neben Energieeffizienz zählt auch Flächeneffizienz

Die Sanierung des «Maison Winkler-Marro» zeigt exemplarisch auf, wie es möglich ist, ein Einfamilienhaus nachhaltig in ein Zweifamilienhaus umzuwandeln und energetisch zu sanieren. Auch in mehreren Sanierungsetappen und unter Berücksichtigung noch funktionierender Bauteile kann ein Plusenergiebau realisiert werden. Die Wohnraumerweiterung des Siegerprojekts des HEV-Sondersolarpreises beweist, dass nicht nur die Energieeffizienz, sondern auch die Flächeneffizienz einen Beitrag zur Energiewende leisten kann.

Anlässlich der Schweizer Solarpreisverleihung vom 18. Oktober 2019 in Genf durften die Eigentümerfamilie Winkler-Marro und das Büro Lutz Architectes den diesjährigen HEV-Schweiz-Sondersolarpreis entgegennehmen.

Grosses Potenzial bei den Kleinen

Es ist die breite Masse kleinerer und mittlerer Gebäude, die das grösste Potenzial für einen effizienten Umgang mit den Ressourcen besitzt. Durch das Prämieren «alltäglicher» Beispiele zeigt der HEV-Schweiz-Sondersolarpreis auf, dass es auch bei solchen Objekten durchaus möglich ist, energetische und gleichzeitig ökonomische Erneuerungen durchzuführen.